Sind wir frei für Veränderung? Sind wir frei für Veränderung? Gedanken zu Schule, Menschlichkeit und Mut zu FehlernGedanken zu Schule, Menschlichkeit und Mut zu Fehlern
Neulich habe ich eine Podcastfolge gehört, die mich innerlich noch lange beschäftigt hat. In „Schule, lass mal reden“ wurde Helle Jensen, eine dänische Psychologin und Kollegin von Jesper Juul, zum Thema Bildungssystem interviewt – und wie sich dieses in Deutschland und Skandinavien unterscheidet.
Zwei Gedanken aus diesem Gespräch haben bei mir besonders nachgehallt. Und beide haben viel mit dem zu tun, was auch unsere Initiative „Beziehung schafft Bildung“ im Kern bewegt: Wie gestalten wir Schule als einen Ort echter Begegnung, in der Persönlichkeit und Beziehung die Basis für Lernen und Entwicklung sind?
1. Der Blick zurück – und die Frage nach unserer inneren Freiheit
Jensens These ist: Deutschland war durch die Traumata des Zweiten Weltkriegs jahrzehntelang damit beschäftigt, sich innerlich zu sortieren. Skandinavische Länder hingegen waren weniger betroffen – und hatten dadurch früher Kapazitäten frei, um ihre Bildungssysteme neu zu denken.
Ein herausfordernder Gedanke – und für mich sehr nachvollziehbar. Unsere Geschichte lebt in uns nach, ob wir wollen oder nicht. Aber genau hier stellt sich mir die Frage: Sind wir heute innerlich frei genug für die Veränderungen, die Schule so dringend braucht?
Denn der Wille zur Veränderung ist da – das zeigen unzählige Initiativen, kreative Projekte und engagierte Menschen in Schulen. Aber oft scheitern wir an alten Mustern, an inneren Blockaden, an einem tiefsitzenden Misstrauen gegenüber allem, was „zu weich“, „zu persönlich“ oder „zu emotional“ wirkt.
Dabei ist genau das unser Schlüssel für gute Schule: Beziehung. Menschlichkeit. Vertrauen.
2. Der Druck, perfekt sein zu müssen – und warum Fehler wichtig sind
Ein weiterer Punkt aus dem Interview ließ mich besonders nicken: Laut Jensen sind deutsche Lehrer:innen viel angestrengter als ihre skandinavischen Kolleg:innen. Perfektion scheint für viele das oberste Ziel zu sein – Fehler gelten als Schwäche, nicht als Lernchance.
In Skandinavien geht man da entspannter mit sich um. Lehrer:innen werden dort viel stärker als Menschen mit Persönlichkeit gesehen – mit Stärken und Schwächen. Und genau das strahlen sie auch in den Klassenraum aus.
Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Denn nur wenn wir als Lehrkräfte den Mut haben, unperfekt zu sein, können wir eine echte, menschliche Beziehung zu unseren Schüler:innen aufbauen. Und nur so können wir ihnen wirklich vermitteln, was wir selbst leben: Fehler sind kein Scheitern – sie sind Wachstum.
Daher mein Appell – an Kolleg:innen und Schüler:innen gleichermaßen:
Seid mutig. Macht Fehler. Seid Menschen.
Denn nur über echte, ehrliche Beziehung entsteht Bildung, die trägt.
Anabell Dreber
Gründerin von BsB
Anabell ist Gründerin von Beziehung schafft Bildung und bereits seit vielen Jahren in der Schulentwicklung tätig.
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